Selbstwertgefühl

Über den Zusammenhang zwischen Selbstwert und Seitensprung

Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, was Selbstwert und Fremdgehen miteinander gemein haben. Ich stelle in meiner täglichen Arbeit immer wieder fest, dass zu viele Menschen unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Gründe fürs Fremdgehen gibt es natürlich zahlreiche und mangelnder Selbstwert ist nur einer davon, wenn auch in meiner Praxis ein häufig anzutreffender.

Auf eine Partnerschaft bezogen stellt es sich so dar, dass ein Partner vom anderen Bestätigung erwartet oder zumindest erhofft, und zwar Bestätigung, die er sich selber nicht zu geben vermag. Und genau das birgt das Problem in sich, denn niemand – auch nicht der beste und bemühteste Partner dieser Welt! – ist dazu in der Lage, weil Selbstwert etwas ist, was von innen heraus entsteht und nichts, was von außen aufgepfropft werden könnte. Keine noch so großen Liebesbekundungen des Partners und kein Statussymbol dieser Welt verhelfen unserem Selbstwert zu einem besseren Stand, auch wenn es manchmal so scheinen mag, da sich durchaus kurzfristige Hochgefühle nach der Befriedigung selbiger einstellen können.

Weil mangelndes Selbstwertgefühl oder besser gesagt, das starke Bedürfnis nach Bestätigung durch den Partner der üblichen Vorstellung von Partnerschaft entspricht, ist es nur logisch, dass gerade unterschiedliche Ansichten zur Sexualität ein besonderes Konfliktpotential darstellen. Da macht sich der eine vom Begehren und Verlangen des anderen abhängig. Weist dieser ihn jedoch zurück, wird das meist persönlich genommen, als Verletzung registriert und nicht selten nach einigen Versuchen gänzlich eingestellt, denn schließlich will man sich ja keinen „Korb“ holen und unnötig schlecht fühlen. Aber genau das ist das (Selbstwert)Problem und häufig entsteht hier der Grundstein für die Bereitschaft zu einem möglichen Seitensprung.

Kommen nämlich Bereitschaft und Gelegenheit zusammen, – in Kombination mit einem wenig ausgeprägten Selbstwertgefühl – handelt es sich meist nur eine Frage der Zeit. Schließlich hat der Partner (offenbar) weniger Lust auf Sex als man selbst und das wird gerne als Rechtfertigung für das eigene Verhalten gesehen. Und wer kann (ehrlich) von sich behaupten, dass er nicht gerne begehrt wird? Was liegt also näher, als sich die fehlende Bestätigung innerhalb der Partnerschaft in Form eines kleinen Abenteuers zu holen? Unglücklicherweise hat das zwar kurzzeitige positive Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden, aber die Ursache – nämlich die vermeintlich(!) fehlende Bestätigung durch den eigentlichen Partner – bleibt unverändert. Abhilfe würde hier nur Ursachenforschung statt Symptombekämpfung bringen, denn die sexuelle Verweigerung eines Partners ist in der Regel immer ein tieferliegendes und ernstzunehmendes Problem, mit dem sich Paare nicht sehr gerne auseinandersetzen, auch wenn es sich durchaus lohnen würde. Alternativ bliebe, auf der Suche nach äußerer Bestätigung, genaugenommen nur das serielle Fremdgehen übrig. Meine tägliche Arbeit zeigt, dass Affären & Co. auf Dauer keine echte Lösung bieten und sogar mehr Probleme bereiten (dann allerdings ganz andere!). Das gilt zumindest für Paare, die eine monogame Lebensform vereinbart haben.

Fazit: Ideal wäre es, wenn Menschen ihren eigenen Selbstwert stärken würden, also an sich selbst, Ihrer Autonomie und ihrem eigenen „Standvermögen“ zu arbeiten, statt im Außen gierig danach zu suchen. Es ist immer die bessere Voraussetzung, mit einer entsprechenden Selbstsicherheit aufzutreten zu können, statt von anderen den Ausgleich des eigenen Mangels zu erhoffen. Abgesehen davon, dass es definitiv nicht funktioniert, stellt es eine unzumutbare Belastung des Gegenübers dar und die Außenwirkung auf andere Menschen kann niemals attraktiv sein.

 Es war doch nur Sex!

Autorin dieses Fachartikels ist die
Buchautorin, Einzel-, Paar- und Sexualtherapeutin Andrea Bräu.

Buch: Es war doch nur Sex
Website: http://www.beziehungspraxis.de

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