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Liebeskummer Gedichte
Mein Herz ist zerrissen...
Mein Herz ist zerrissen, du liebst mich nicht!
Du ließest mich’s wissen, du liebst mich nicht!
Wiewohl ich dir flehend und werbend erschien,
Und liebebeflissen, du liebst mich nicht!
Du hast es gesprochen, mit Worten gesagt,
Mit allzu gewissen, du liebst mich nicht!
So soll ich die Sterne, so soll ich den Mond,
Die Sonne vermissen? Du liebst mich nicht!
Was blüht mir die Rose? was blüht der Jasmin?
Was blühn die Narzissen? Du liebst mich nicht!
(August von Platen, 1796-1835)
- Wenn Du mich nicht mehr lieben willst,
So geh ich zum Kuppelweibe!
Wenn Du mich nicht mehr lieben willst,
So will ich Dich vergessen -
In wilder toller Brunst -
Bei Wein und Saitenkunst -
Da lieb ich, was ich finde -
Verschwinde nur! Verschwinde -
Wenn Du mich nicht mehr lieben willst. - (Paul Scheerbart, 1863-1915)
Die Liebe
Ohne Liebe
lebe, wer da kann!
Wenn er auch ein Mensch schon bliebe,
bleibt er doch kein Mann.
Süße Liebe,
mach mein Leben süß!
Stille nie die regen Triebe
sonder Hindernis.
Schmachten lassen
sei der Schönen Pflicht!
Nur uns ewig schmachten lassen,
dieses sei sie nicht
(Gotthold Ephraim Lessing)
- Das Glück, das klopfte bei mir an,
Stand vor der Thür und wollt herein;
Ich hab ihm doch nicht aufgethan,
Da mocht's nicht länger draußen sein.
Es ging so leise wie es kam.
Ich hört es nicht, ich sah es nicht,
Doch fühlt ich, wie es Abschied nahm.
In meiner Brust erlosch ein Licht. - (Ludwig Thoma, 1867-1921)
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)
- Diese Rose pflück ich hier,
In der fremden Ferne;
Liebes Mädchen, dir, ach dir
Brächt ich sie so gerne!
Doch bis ich zu dir mag ziehn
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
Denn die Rosen eilen.
Nie soll weiter sich ins Land
Lieb von Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Läßt die Rose tragen;
Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste,
Oder als ihr süßer Schall
Wandert mit dem Weste. - (Nikolaus Lenau, 1802-1850)
XLIII (Wie ich Dich liebe)
Wie ich dich liebe? Lass mich zählen wie.
Ich liebe dich so tief, so hoch, so weit,
als meine Seele blindlings reicht, wenn sie
ihr Dasein abfühlt und die Ewigkeit.
Ich liebe dich bis zu dem stillsten Stand,
den jeder Tag erreicht im Lampenschein
oder in Sonne. Frei, im Recht, und rein
wie jene, die vom Ruhm sich abgewandt.
Mit aller Leidenschaft der Leidenszeit
und mit der Kindheit Kraft, die fort war, seit
ich meine Heiligen nicht mehr geliebt.
Mit allem Lächeln, aller Tränennot
und allem Atem. Und wenn Gott es gibt,
will ich dich besser lieben nach dem Tod.
Rainer Maria Rilke, 1908 (Übersetzung des Originals von Elizabeth Barret-Browning)
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